Seminar für Indologie und Tibetologie
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Die Verbalformen des Pāli-Kanons (Dr. Yukio Yamanaka)

In seinen Verbalbildungen hat sich das Pāli, eine alte mittelindische Sprache, die für die Texte des Thera­vāda-Buddhismus verwendet wurde, weit vom Altindischen entfernt. Dies wird ins­be­son­dere durch das gleichzeitige Bestehen von historischen Verbalformen und Neu­bildungen deutlich. Trotz einzelner Analysen des Verbalsystems des Pāli fehlt es bisher an einer Gesamtübersicht. Als ersten Schritt in diese Richtung erstellte der dänische Indologe V. Trenckner (1824-1891) ein Inventar, welches die Pāli-Verbalformen unter der entsprechenden Sanskrit-Wurzel exemplarisch auflistet. Trenckner nennt alle Wurzeln, die ihm aus den zu seiner Zeit zur Verfügung stehenden Pāli-Texten bekannt waren. Für die verzeichneten Formen sind Belegstellen angegeben, die sich fast ausschließlich auf seine Abschriften von Pāli-Manuskripten beziehen. Das von Trenckner erstellte, handschriftliche Inventar wurde bisher nicht veröffentlicht. Ziel des von der DFG für drei Jahre geförderten Forschungsprojekts ist es, aufbauend auf Trenckners Arbeiten ein Verzeichnis aller im Pāli-Kanon belegten Wurzeln und Verbalformen zu erstellen. Hierzu wird Trenckners Inventar inhaltlich überprüft und ergänzt. Neben Belegstellen sollen auch Anmerkungen zu Textproblemen und Hinweise auf Sekundärliteratur eingefügt werden. Ist dieses Verzeichnis erstellt, verfügt die Pāli-Philologie über ein Hilfsmittel, wie es noch für keine andere indische Sprache vorhanden ist. Damit es einem internationalen Kreis von Forschern und Wissenschaftler(inne)n dienlich sein kann, wird es auf Englisch publiziert werden.

"Radices Linguae Palicae" von Carl Vilhelm Trenckner (1824-91)
"Supplementum ad Radices Linguae Palicae" von Dines Andersen (1861-1940)